• jb

Sticken macht das Alleinsein erträglicher

Heute habe ich wieder mal an meinem Sticktagebuch weitergemacht. Jeden Tag (seit dem 1.1.20) sticke ich ein bisschen: mal mehr, mal weniger, als noch die Cafés offen waren, dort oder einfach draussen oder unterwegs.

Was ist es eigentlich für eine Art Aufzeichnung, dieser Faden, der sich seinen Weg durch den Stoff bahnt? Mal habe ich im Kreis gestickt, dann wieder den pflanzlichen Mustern nach, dann dazwischen… und jedes Mal, so denke ich, hat sich die Bewegung irgendwie ergeben, beziehungsweise ist aus mir herausgekommen.


Lustigerweise habe ich vor ein paar Wochen irgendwie angefangen, eine Art Fenster/Rahmen zu sticken (braune Farbe), um diese später auszufüllen und zwar mit ganz simplen Laufstichen. Und obwohl es technisch eine sehr einfache Angelegenheit ist, befriedigt sie mich im höchsten Masse. Vielleicht ist es die Ordnung, die scheinbare Wiederholung (auf den ersten Blick sehen die Fenster ja gleich aus), wer weiss. Je mehr Fenster man mit der Zeit bestickt, umso mehr fügen sie sich zu einer Fläche, die es so nicht gegeben hätte, zusammen. Zusammengerollt habe ich den Stoffkalender so gut wie immer bei mir, rolle ihn hie und da auf und dann wieder zusammen, betrachte meine eigene Arbeit, lasse das Auge über die scheinbar chaotischen Fadenwege gleiten und jedes Mal habe ich ein gutes Gefühl, obwohl ich beim Sticken in verschiedenen Modi bin. Meine Arbeit - also die im Faden festgehaltene Bewegung meiner Hand - spricht zu mir, ich begegne mir auf eine neue Art. Etwas ist aus mir herausgekommen, nun ist es hier aufm Stoffstück und ergänzt die pflanzlichen Abdrücke und die Tinte, mit der ich darüber gemalt habe. Etwa so liesse sich dieser Prozess zusammenfassen.


Das tägliche Sticken kann ich wirklich jedem nur empfehlen. Ihr habt bestimmt das eine oder andere Stoffstück zu Hause (oder vielleicht eine angefangene Arbeit aus einem meiner Kurse), ihr könnt also an diesen arbeiten. Oder falls ihr etwas von mir gerne hättet, dann hat es noch ein paar Stickkalender im Angebot. Dadurch wird das Alleinsein, wie wir es zurzeit alle erfahren, was auch für mich manchmal bedrückend ist, etwas erträglicher. Und da man jetzt keine Menschen umarmen oder ihnen zu nahe kommen darf, ist das Berühren von einem - vielleicht schönen oder für einen wertvollen - Material eine wunderbare Erfahrung.



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