24 (End of the Year) Ideas
Aktualisiert: vor 7 Stunden

Wie eine feuerrote Sonne, die sich abends über dem Horizont neigt, geht auch das aktuelle Jahr allmählich zu Ende. 2026 war (oder vielmehr ist) zweifellos einzigartig, schliesslich gleicht kein Jahr dem anderen. Und doch, irgendwie habe ich das Gefühl, als ob ich in der Zeit nach vorne gerückt wäre. Wohl Richtung Alter, denkt ihr, kaum ein Mensch wird jünger! Ja, das mag sein, dennoch ist noch etwas anderes hier, das ich noch nicht ganz benennen kann. Gut möglich, dass die eigene Endlichkeit einem bewusst wird, mit dem Alter werden wir irgendwie anders, kommt es euch vertraut vor? In seinen Meditationes (de la prima philosophia) beschreibt Descartes die Wandelbarkeit vom Wachs, das zunächst flüssig ist, wie etwa bei der Kerzenherstellung, dann eine feste Form annimt und schliesslich in der Flamme verdampft. Das menschliche Leben hat auch verschiedene Stadien und Abschnitte, seine Festigkeit und Greifbarkeit wandeln sich mit den Jahren, scheint es mir.
Der eigene Fundus wächst proportional zu eigener Geschichte; umso wichtiger ist es, die gewonnenen Lebenserfahrungen richtig einzuordnen und zu deuten. Das Kleinere, Feinere, was früher im rauschenden Strom des Lebens unterging, rückt im Alter vermehrt in den Fokus: ein Spaziergang (auch mit sich selbst) gewinnt eine neue Qualität, ein gutes Buch, in dem wir den Gedanken eines Menschen, der vielleicht 300 oder 400 Jahren vor uns die Erde bewohnte, folgen können, ein schönes Objekt (zum Beispiel eine handgemachte Teetasse) erfreut die Sinne, das Eintauchen in die Limmat bekommt fast schon etwas Rituelles, ebenso der tägliche Yoga, dank dem ich mich meiner Gesundheit und Stärke erfreuen kann, ein Gespräch mit einem Freund oder Freundin. Ja, das Leben ist wie ein Tanz, scheint es mir, mit jeder Person ist das Tempo anders, die Schritte passen sich allmählich an und wenn endlich alles stimmt, dann – oh weh! – trennen sich oft die Wege aus unerklärlichen Gründen . . . ohne die Gewissheit einer erneuten Annäherung. Als ob der Zweck gewisser Begegnungen geraden in diesem Sich-Aufeinander-Abstimmen liegen würde, so merkwürdig. Wir glauben zu den anderen näher zu rücken, doch in Wirklichkeit kommen wir nur uns selbst näher. Als ob man für die Erkenntnis seiner selbst stets anderer benötigen würde. Tja, alles könnte auch anders sein, sage ich mir oft, auch wenn ich natürlich nicht weiss, ob es stimmt.
Gegen sein Ende wird das Jahr zunehmend ruhiger, die müden Schatten schleichen dem Boden entlang und man begreift, das die ganze Schönheit des Lebens aus Licht und Schatten besteht, wie Tolstoi in Anna Karenina so vorausschauend schreibt. Dies kommt mir immer bei komorebi in den Sinn, es ist eine Art japanisches Lichtspiel, wenn etwa die Schatten von Baumblättern an der Hauswand tanzen. Der Film Perfect Days ein eine kleine Ode an dieses unscheinbare, flüchtige Phänomen, das sich an jeder Hauswand abspielt. (siehe Fotos unten).
Ursprünglich wollte ich eine Art Adventskalender mit 24 Ideen für jeden Tag im Dezember präsentieren. Da die Tage im letzten Monat aber besonders kurz und entsprechend voll sind, beschloss ich, diese 24 Ideen schon jetzt zu publizieren. So habt ihr mehr Zeit, vielleicht die eine oder andere Idee aufzugreifen und sich zu etwas Neuen – oder eher Schönem, viel Neues gibt es da wohl nicht – inspirieren zu lassen. Jeder Input soll zu einer bewussten Wahrnehmung von etwas anregen: Objekte, unsere Mitmenschen, Tätigkeiten, wir selbst . . .
Die tabellarische Anordnung folgt keiner besonderen Ordnung, sie kann kreuz und quer gelesen werden. Ihr könnt auch mit geschlossenen Augen den Finger darauf legen und so auswählen, ganz nach Lust und Laune. Manche Ideen sind mir spontan in den Sinn gekommen, andere sind von Texten und Büchern inspiriert, die ich besonders mag. In diesem Sinne wünsche ich euch viel Freude und bin gespannt auf eure Rückmeldungen!






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