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Japan'26

Meine zweite Japanreise ist dem Handwerk gewidmet. Im Rahmen meiner Projekte (privat und für die Universität Zürich) begebe ich mich auf die Spuren meditativer Praktiken in verschiedenen Regionen. Meine kürzeren oder längeren Reiseberichte werde ich hier mit euch teilen. Ich freue mich, dass ich auf diesem Weg die Schönheit und Vielfalt Japans weitergeben kann. 

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OSAKA

Wir kommen uns nur zaghaft näher, obschon es dafür eigentlich keinen Grund gibt. Die Stadt ist sehr intuitiv organisiert, es hat vieles von allem und sogar die grossen Einkaufszentren warten mit einer unverhofften Charmeoffensive auf. Und doch scheint es mir, als ob hier die Zeit ein bisschen stehen geblieben wäre, fast schon wie der Tosahori Fluss, der unterhalb vom Hotel in zwei parallel verlaufenden Kanälen nicht so richtig vorwärtskommt. Ein ausgedehnter Spaziergang entlang des Ufers führt zur Osaka Burg, die sich imposant über dem dicht bewaldeten Park erhebt. Die Wasserkanäle unterhalb der Burgmauern bilden eine Art Spirale, die sich mit dem Boot befahren lässt. Im Hochhaus Abeno Harukas kann man im 16. Stockwerk eine elegante Gartenterasse besuchen, die an New Yorks MoMA Garten erinnert. Die moderne Nachkriegsarchitektur mit vielen Hochhäusern und breiten Strassen schafft viel Freiraum, der sich mitunter etwas leer anfühlt. 

An einem verregneten Abend entdecke ich dann doch das, was früher wohl Alt-Osaka war: im Schatten des Hotels liegen einige enge Gässchen, wo alles anders ist. Die Strommäste tragen ein robustes Kabelgeflecht, das wie ein Spinnennetz die engen Strässchen von oben zusammenhält. Tür an Tür kleben viele kleine Restaurants aneinander, die meisten davon bieten Platz für knapp ein duzend Gäste. Das Menü tanzt in fröhlicher, für mich unlesbarer Hiragana Schrift auf dem edlen handgeschöpften Papier. Hie und da verrät ein Bild, was der Koch heute hervorzaubert, ansonsten muss man sich auf Überraschung einstellen. Die rotweissen Lampions leuchten um die Wette und schwarze Silhouetten unter durchsichtigen Regenschirmen verstärken die Illusion eines Filmsets. Scheu betrete ich ein sehr schönes, mit hellem Holz verkleidetes Restaurant, drei kleine Treppen (ent)führen mich hinunter. Ich werde fröhlich begrüsst und darf an der Theke platznehmen. Nach einer Weile bemerke ich viele kleine Augen, die mich beobachten, allesamt Schildkröten: aus Holz geschnitzt, auf Steinchen gemalt, an der Wand als Enso-Bilder (schwarzer Zen-Kreis aus Tusche) oder gar aus einem Kokosnuss-Panzer hervorlugend. Dazwischen winzige Bonsais und viele andere schöne Dinge, die ich nicht benennen kann. So ist es also, eine Art Schildkröten-Restaurant! Was, wenn das verzauberte Gäste sind, frage ich mich ... an diesem unwahrscheinlichen Ort wäre es durchaus möglich. Das Menü scheint mir sehr grosszügig, mit einer Hand bedecke ich die untere Hälfte und mit der anderen zeige ich auf die oberen Zeilen, die Sashimi und eingelegten Rettich versprechen. Ein alter Sushi-Meister gibt den Speisen einen letzten Schliff, vorher werden die Zutaten von seinen beiden Assistenten zubereitet. Auf winzigstem Raum finden sich ein Grill, einige Kochplatten mit Töpfen und Pfannen darauf und ein Gaskocher, der unaufhörlich Flammen speit. Wie in einem perfekt zusammengespielten Orchester klappern und klirren die Pfannen im Tempo der geschickten Hände, die Zutaten ändern mal ihrer Farbe und dann wieder ihre Form. Es dauert nicht lange und vor mir steht eine Auswahl an ausgezeichnetem Sashimi. Da ich die einzige nicht Japanerin im Lokal bin, bekomme ich einen überraschenden Besuch. Die alte Besitzerin höchstpersönlich legt ein Schälchen mit mariniertem Retting (daikon) auf meinen Tisch. Mein Blick will sich nicht von ihren hundertjährigen Händen losreissen: wird sie auch bald zu einer Schildkröte? Fröhlich redet die alte Frau auf mich ein, leider verstehe ich aus ihrem Osaka Dialekt nur einzelne Wörter heraus und kann mit ein paar Floskeln mehr schlecht als recht antworten. Ein junger Koch eilt uns zur Hilfe, sein Smartphone (samato) mit Übersetzung soll es richten. Aber sie will nicht schreiben oder lesen, steht bei mir, lächelt und redet weiter. Es könnten Zaubersprüche sein, ich würde es nicht merken. Sie muss schon sehr lange leben, denn beim Abschied verneigen sich die Gäste vor ihr bis zum Fussboden und rattern ausgefallene Dankessprüche, die sie mit einem Nicken erwidert. Es freut mich sehr, was ich hier sehe, auch wenn ich nicht alles begreife. An Orten wie diesen sind die Menschen mit ihrem Handwerk verwachsen und da sie es meisterhaft beherrschen, gelingt ihnen alles andere auch.

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U J I - Das grüne Handwerk 

Von Kyoto aus gelangt man nach Uji mit dem Regionalzug Richtung Nara. Gelegen an beiden Ufern des Uji Flusses (der übrigens auch grünlich erscheint), lädt Uji zum Verweilen ein. Der berühmte Byodoin Tempel und der Ujigami Schrein (einer der ältesten in Japan) sind ideal für einen historischen Spaziergang, im Stadtzentrum finden sich unzählige Geschäfte und Teehäuser, die auf Grüntee spezialisiert sind. Ob Sencha, Tencha, Gyokuro oder Matcha . . . für jeden Geschmack hat es etwas. Auf vielen Speisekarten finden sich auch lokale Gerichte aus grünen Soba Nudeln, die sehr erfrischend schmecken. In einem Buch habe ich mal gelesen, dass das menschliche Auge unzählige Grüntöne unterscheiden kann, es ist eigentlich die  Farbe, in der wir uns am besten auskennen. Beim Flanieren durch all die Grüntee Schaufenster und Läden, umgeben von grünen Hügeln, fühlt man sich sehr wohl, beim Essen und Trinken der grünen Speisen kriegt man nicht genug. Die Qualität ist vorzüglich, egal wo man einkehrt, alle Geschäfte geben sich Mühe und möchten einen möglichst guten Tee und seine Variationen anbieten. Als ob die konkurrierenden Läden alle dasselbe Ziel verfolgten, nämlich, ihre Liebe zum Grüntee zu zelebrieren. Kleine, sehr liebevoll eingerichtete Gärten, Bonsais in den Interieurs oder Innenhöfe mit alten Maschinen, das alles macht Uji zu einem Erlebnis, an das man sich gerne erinnert. 

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Der heilige Garten von Saihoji
Wenn schon vom grünen Handwerk die Rede ist, muss ich den Moosgarten vom Tempel Saihoji erwähnen, genannt auch Kokedera (koke bedeutet im Japanischen Moss, otera/dera ist Tempel). Der Besuch muss vorab online gebucht werden, oft in Form eines kleinen Workshops. Ich habe mich für das Kopieren der heiligen Sutras entschieden, danach darf man im Garten verweilen und ein paar Runden im grünen Paradies drehen. Der smaragdgrüne Moos Garten gilt als einer der ältesten und schönsten in Japan, offiziell gehört er zum Japanischen Nationalschatz (in Japan können sowohl Orte, Menschen oder Artefakte wie Keramik, Gemälde etc. zum Nationalschatz erklärt werden). Der Tempel wird von der Rinzai Schule (eine Richtung des Zen Buddhismus) verwaltet. Der Kokedera hat als erster Tempel in Japan die Zen Geometrie und Gartengestaltung aus China bereits im 8. Jh. übernommen. 
Obwohl der Zutritt streng kontrolliert wird, füllte sich im Laufe des Vormittags der Garten immer mehr, schliesslich wollen alle Menschen ein bisschen vom grünen Paradies kosten. Die engen Wege wurden noch enger und bald gab es kein Durchkommen. Doch auch das Stehen erwies sich als sehr wohltuend, man konnte buchstäblich im grünen Sonnenlicht baden und das Lichtspiel auf dem Moos unter den Bäumen verfolgen. Das klare Wasser in den Teichen verdoppelte die umliegende Vegetation und den blauen Himmel. Und so schwimmten die unzähligen Karpfen (ob sie wohl auch zum Nationalschatz gehören?) mal im Himmel, mal auf der Erde. Was für ein wunderbarer Anblick!
In der Buddhistischen Lehre ist der Zen Garten eine Art Metapher für den Kreislauf des Lebens, nichts wird dem Zufall überlassen, jeder noch so kleiner Stein, jede Lotuspflanze und jedes Ästchen werden sorgfältig arrangiert. Die Wege sind so angelegt, dass man in einer bestimmten Richtung läuft und ja nicht ziellos herumstreunt, wie wir uns das gewohnt sind. Da die Wege jedoch z.T. verstopf waren, drehten manche Besucher um oder liefen so, wie es sich gerade ergab. Der Gärtner-Mönch, der emsig seiner täglichen Routine nachging, reagierte bisweilen genervt und wies uns zurecht, in die "richtige" Richtung zu laufen. Da er jedoch nur Japanisch sprach, fielen seine Worte nicht (immer) auf einen fruchtbaren Boden, was ihn offensichtlich noch mehr gereizt hat. Konnte er nicht anders, verschwand er für ein paar Minuten in seinem Gartenhäuschen und nahm später einen neuen Anlauf, um etwas Ordnung in sein Paradies zu bringen.
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Das Kloster Eiheiji (Fukui)

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Textauschnitt aus Zen-Geist Anfänger-Geist (S. 99) von Shunryu Suzuki

«Leben und Tod sind die gleiche Sache. Wenn wir diese Tatsache erkennen, haben wir keine Furcht mehr vor dem Tod, und wir haben keine eigentliche Schwierigkeit in unserem Leben.»

Nirvana, der Wasserfall

Wenn Ihr nach Japan geht und das Eiheiji-Kloster besichtigt, seht Ihr, gerade vevor Ihr hineinkommt, eine kleine Brücke, die Hanshaku-kyo genannt wird, das «Halb-Schöpfer-Brücke» bedeutet. Immer, wenn Dogen-zenji Wasser aus dem Fluss schöpfte, verwendete er nur die Hälfte des Geschöpften, indem er den Rest, ohne ihn wegzuwerfen, dem Fluss wiede zurückgab. Aus diesem Grund nennen wir die Brücke Hashaku-kyo, «Halb-Schöpfer-Brücke». Wenn wir in Eiheiji unser Gesicht waschen, füllen wir das Gefäss zu etwa siebzig Prozent seines Fassungsvermögens. Und nachdem wir uns gewaschen haben, leeren wir das Wasser gegen unseren Körper gerichtet aus und nicht von ihm weg. Das drückt die Verehrung aus gegenüber dem Wasser. Diese Art der Praxis ist jenseits unseres Denkens. Wenn wir die Schönheit des Flusses empfinden, wenn wir eins sind mit dem Wasser, dann handeln wir intuitiv nach Dogens Art. Es ist unsere wahre Natur, so zu handeln. Doch wenn Eure wahre Natur zugedeckt ist von Vorstellungen von Wirtschaftlichkeit oder Ergiebigkeit, dann wirkt Dogens Art unsinnig.» 

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Kanazawa

In Japan ist Kanazawa bekannt für die Herstellung vom Blattgold in all seinen Facetten. Es mag sonderbar klingen, doch mir schien es, dass dieses Handwerk sehr prägend für die Art und Weise ist, wie sich die Stadt präsentiert. Blattgold wird nämlich sehr sparsam verwendet; sei es zum Reparieren von Keramik (Kinsugi), als feine Blättchen auf lackiertem Holz oder Kimonos, als Delikatesse in Sake und Pralines usw. Beim Blattgold gilt stets "weniger ist mehr" und Kanazawa machte auf mich genau diesen Eindruck. Die Strassen sind breiter und die Gebäude niedriger als Kyoto, alles insgeheim ruhiger und bescheidener, was zuweilen täuschen kann. Denn hinter den hölzernen Fassaden und in den nach aussen unscheinbar wirkenden Innenhöfen verstecken sich wahre Schätze: sei es ein wunderbares Sushi Restaurant, eine Indigo-Boutique mit ausgesuchten Stücken oder ein exklusives Keramik-Geschäft, das so teuer ist, dass die Stücke nicht mehr einen Preisschild tragen. 

Und dann gibt es natürlich Orte, die man nicht verstecken kann, wie etwa den Kenrokuen Garten, einer der schönsten in Japan. Ich durfte diesen Ort zweimal besuchen und jedes mal war ich überwältigt: die unendlich vielen Grüntöne, die dem Auge so guttun, das fröhlich vor sich hin plätschernde Wasser, an dem sich unzählige Vogelarten erfrischen, die wunderschönen, durch Jahre und Schwerkraft geformten Bäume. Kunstvolle Laternen aus Holz fügen sich tadellos und die Parklandschaft, die stündlich von unauffälligen Gärtnern gehegt und gepflegt wird. Am meisten hat mir ein ca. zwei Meter hoher Turm gefallen, der in den 30 Jahren als öffentliche Rundfunkstation für die Bevölkerung diente.

Unterhalb des Kenrokuen Gartens ist der Familiengarten namens Gyokusen-en. Dieser ist zwar kleiner und schattiger, aber ca. 160 Jahre älter als der Kenrokuen Garten und auf seine Art bezaubernd. Ich durfte den Garten im Rahmen einer Teezeremonie besuchen, diese wurde in einem 400 Jahre alten Teehaus abgehalten, was für ein Erlebnis! Der ursprüngliche Eingang ins Teehaus (Foto oben rechts) war sehr klein, die Samurais mussten ihre Waffen draussen lassen. Das Teetrinken wurde so zu einem intimen Gespräch zwischen den Gästen. Nach der Teezeremonie besuchte ich das nur ein paar Schritte entfernte Kaga-Yuzen Kimono Zentrum. Hier kann man von Hand bemalte Seidenkimonos, Bilder oder Accessoires bewundern. Die Kaga-Yuzen Technik wurde im 16. Jahrhundert von Miyazaki Yuzensai entwickelt und wird seither stets um neue Aspekte erweitert und perfektioniert. Traditionell verwende man zum Malen nur fünf Farben: dunkelrot, Indigo, Purpur, Ocker und Grün. Mit einem Pinsel wird direkt auf dem vorbereiteten Stoff gemalt, ähnlich einer Leinwand. Damit die Farben nicht ineinander verfliessen, wird das Motiv mit einer Reispaste Mischung vorgedruckt, ein bisschen wie bei einem Malbuch. Ist das Motiv fertig, löst man die Reispaste im Wasser auf. Die mit Kaga-Yuzen  bemalten Kimonos und Stoffe wirken bisweilen etwas schwer und opulent, manche tragen zusätzlich eine kleine Goldstickerei. Die Museen und Galerien in Kanazawa sind ebenfalls einen Besuch wert! Meine philosophischen Erkundungen in und rund um Kanazawa könnt ihr im Blog nachlesen.

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Shirakawa-go: Ichigo - Ichie

Begegneten sich früher zwei Samurai bei einer Teezeremonie, begrüssten sie sich in der Regel mit "Ichigo Ichie", das soviel bedeutet wie "Alles im Leben passiert nur ein Mal (so auch diese Begegnung)". Als ich heute das Dorf Shirakawa-go besuchte, da kam mir dieser Spruch in den Sinn. Der Tag war sonnig und die Stimmung der Reisegruppe heiter, wirklich perfekt für eine "once in a  lifetime"-Begegnung. Die majestätischen Strohdachhäuser dienen mal als Museen oder Shops, in manchen wohnen Menschen und es gab sogar auch ein Hotel. Das UNESCO-Welterbe Dorf ist eine seltene Mischung aus Freilichtmuseum und bewohntem Dorf, entsprechend sind viele Strassen, Hausvorplätze und Ecken abgesperrt, damit die Touristen die Privatsphäre der Einwohnen respektieren. Die fröhlich aus dem Wasser ragenden Reispflanzen locken viele Schwalben an, die gekonnt tief über dem Boden manövrieren. Im lokalen Wada Museum sieht man den Kreislauf beim Anbau und Verarbeitung von Seide, hergestellt wurde auch Washi Papier oder viele Strohkörbe. Das Dorf zieht sich in die Länge, am oberen Ende befindet sich eine Art Museum im Museum: etwa 20 aus ganz Japan hierhin gebrachte Strohäuser bilden ein mini Dorf, sogar zwei Wassermühlen sind dabei! Die bläulich leuchtenden Hortensien sind wie ein Stück Himmel, das zur Abwechslung auf die Erde herabgestiegen ist. In einem schönen Café mit Tatami Matten lege ich eine kurze Pause ein, bevor ich den Bus zurück nach Takayama nehme. Mach's gut, Shirakawa-go, es war eine im wahrsten Sinne einmalige und bereichernde Begegnung!  

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Handwerk als Flow

Textausschnitt aus einer Ausstellung zum Stroh-Handwerk im Hilda Folk Village Museum (Takayama, Japan): 

"My Theory about the Straw Handicrafts

I have been thinking for over 20 years how and when people started to make straw handicrafts but I still don't really know. Straw cannot retail its shape in the soil for hundreds of years because it will rot. It could therefore easily be forgotten. The history of straw handicrafts is very much like the history of rice and even of human life. Since the time people began making rice, straw and its handicrafts have brought about a big change in our lives. The methodology of straw handicrafts has been handed down from farmers to farmers. It can be said that it is a history of the farmer's wisdom and minds. From the beginning, the straw handicraft methods have been improved upon as knowledge and experience grew. Those methods were not taught by scholar nor the lords and masters of the time. Straw handicrafts are living tool but based on the art, legacy and wisdom of our ancestors.

From book written by Iwao Taniguchi [1982]."

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Heute habe ich diesen Text entdeckt und er bringt vieles auf den Punkt, exakter und eleganter als so manche Bücher. Während meiner Reise durfte ich verschiedene Handwerksarten beobachten und ein bisschen in die Handgriffe eintauchen, die vielen Gespräche mit Menschen aus unterschiedlichsten Bereichen haben mir eines offenbart: in Japan ist alles im Flow. Das Handwerk wird nicht so steif (weil 'traditionell' / 'richtig' und dann eben 'falsch') und abgeschlossen wie bei uns in Europa gedacht (und ich meine sowohl West- als auch Osteuropa, woher ich komme). Der Designer Kenya Hara sagt, dass diese Freiheit und Flexibilität im Denken bereits in der Sprachsyntax angelegt ist. Das Japanische kennt weder Deklination der Nomen, noch Konjugation von Verben, Plural oder Personalpronomen ergeben sich aus dem Kontext. Dies gewährt den Sprechenden viel Freiheit, was sich wiederum aufs Denken und Handeln auswirkt. Meine Japanischkenntnisse sind rudimentär, leider kann ich Haras These nicht bejahen oder widerlegen. Aber wie ich gelernt habe, ist im japanischen Handwerk jedenfalls viel Freiraum, der sich auf unterschiedliche Arten bemerkbar macht. Die Innovation steht im Vordergrund, der Sohn mag zwar Vaters Technik erlernen, aber zugleich entwickelt er auch eigene Tricks und geht so mit der Zeit. Dies war der Fall bei einem Shibori Meister, der die Technik Tsugigahana verwendet (gelb-violetter Stoff, Schablone zum Malen mit Tinte). Sogar ein Insektenbiss auf einem mit Tinte gemaltem Blatt gehört dazu! Dies ist Wabi Sabi Philosophie, wie mir gesagt wurde. Erfreulicherweise wird die Innovation anerkannt und erwartet, es ist wie das Überschreiten einer Schwelle zur Selbständigkeit im Tun und Denken. Auch werden bestehende Arbeitsschritte und Techniken stets der technischen Entwicklung oder aktuellen Bedürfnissen angepasst. Das Handwerk dient somit den Menschen und nicht umgekehrt, dies ist wohl der wichtigster Unterschied zu europäischen Traditionen, die oft eher für Museum als für den Alltag geeignet sind. Und dann ist natürlich auch die Verfügbarkeit von Fachkräften entscheidend: nicht selten bestimmen die Künstler:innen, welche technische Umsetzung machbar und sinnvoll ist, wie zum Beispiel beim Shibori-Wandbild der vier Gottheiten von Kyoto (siehe unten, Bild des Gottes Seiryu, der die östliche Grenze der Stadt beschützt. Kyoto wurde nach Feng Shui Prinzipien erbaut). 

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Bei manchen Techniken muss man erst ihre Geschichte kennenlernen, um sie lieb zu gewinnen. So erging es mir bei Sashiko. Im Westen ein regelrechter Hype, nicht zuletzt dank der Regelmässigkeit der Muster, die als 'einfach' und 'schön' angepriesen werden. Vielleicht gerade deshalb habe ich mich regelrecht gegen diese Sticktechnik gesträubt, um nicht im grossen und seichten Strom der digitalen Handwerker:innen zu schwimmen. Ich durfte erlernen, das Sashiko viel mehr als das monotone (vielleicht deshalb im Westen so geliebte!) Nachschicken der vorgedruckten (omg!) Linien ist. Während der Edo Periode wurde Sashiko als Technik oft verwendet, und zwar um die Schutzkleidung der Feuerwehrleute zu besticken. Nicht für das Auge, wie ihr vielleicht meint, sondern, damit der Stoff viel mehr Wasser absorbieren und behalten kann. Die Kleidung wurde vor dem Gebrauch beim Feuerlöschen ins Wasser eingetaucht und die auf diese Weise entstandene Rüstung stützte die Feuerwehr Leute wahrscheinlich ein bisschen besser als blosser Stoff (siehe zwei Bilder unten). Mit Sashiko Stichen wurden auch Semamori gestickt: das sind kleine Stickereien (oft geometrische Muster oder Origami), die an die Rückseite Kinderkleidung angebracht wurden. Auf diese Weise sollten die Amulette die Kinder vor den Geistern, die ihnen vielleicht nachlaufen, schützen. Ähnliches kennen wir auch in Europa, wo je nach Region auch kleine Gegenstände als Schutz in die Kleidung eingenäht wurden. 
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Enjoy the Silence

In westlichem Kontext (sei es Philosophie oder Literatur) wird Stille, z.B. bei einer Meditation oder allgemein im Raum, im Gespräch etc. oft mit Leere gleichgesetzt und folglich negativ interpretiert. Für die meisten Menschen gibt es kaum Schlimmeres als ein ruhiger Moment, ein Anflug von Langweile und Ruhe. Jede Minute, jede Ecke muss stets ausgefüllt sein, alles ist besser als das unerträgliche 'nichts'. Bewegt man sich über längere Zeit in Japan, merkt man allmählich, dass die in der Zen Philosophie allgegenwärtige Stille auch im Alltag spürbar ist. So zum Beispiel im Umgang miteinander, wenn sich die Menschen generell mehr Zeit für eine Geste oder eine Handlung nehmen, als bei uns üblich. Allein die Verbeugung und sich Bedanken schaffen einen Raum in der Interaktion, eine Pause, wenn wir ein Lächeln oder eine Danksagung fast schon geniessen. Und ja, auch junge Menschen tun es: ein Lächeln, Anstand und formelles Verhalten sind nicht negativ behaftet. Trinkgeld ist ein No Go, aber das wisst ihr bestimmt. Die Stille kann je nach Kontext auch eine Nicht-Aktivität sein, wenn etwa kein Kaufen oder Konsumieren von Waren und Dienstleistungen erwartet wird. In jedem Restaurant ist es selbstverständlich, dass die Gäste zunächst ein Glas Wasser bekommen (ja, auch zum Abendessen, sogar noch eine feuchte Serviette ist immer dabei). Ganz ohne Drama (wie in Zürich, wo ein Glas Hahnenwasser 5 Fr kostet und einem noch sauer hingeworfen wird), ohne Drängeln etwas zum Trinken zu bestellen (es bestellen ohnehin alle einen Drink, also kein Stress). Egal ob durchschnittliche oder luxus Kaufhäuser wie Shibuya, GinzaSix oder das neueröffnete Museum of Narratives bieten den Besuchern explizit ruhige Dachterrassen (mit schönem Ausblick versteht sich), wo die Menschen einfach so (ja, e i n a c h  so, umsonst) sitzen, lesen oder liegen können, eigenen Snack geniessen oder sich in ein Buch vertiefen. Und die Menschen machen regen Gebrauch davon, sitzen hier und geniessen die Ruhe. Es ist wie ein unsichtbarer Tauschhandel, der im Stillen vor sich hingeht. Wie ist es möglich, dass der teuerste Ort in Tokyo mit der besten Aussicht ohne maximale Kommerz und Exklusivität zur freien Verfügung gestellt wird? Manchmal wird die Ruhe auch eingefordert, was bisweilen nervig ist: all die in regelmässigen Abständen laufenden Durchsagen im Bus oder Metro, dass man ruhig sein soll, nicht essen / trinken, keine Telefongespräche oder sonst laute Konversation führen etc. Aber so ist es nun mal, die Ruhe kommt allen zu Gute: eine 40 minütige Metrofahrt übersteht man in der Regel ohne eine Reizüberflutung. Die Stille (oder eher ruhige Umgebung, da es ja nie ganz still ist) schafft einen möglichen Raum für Neues. Denn nur ein leeres Gefäss kann etwas aufnehmen. Eine volle Tasse lässt sich nicht mehr füllen. In diesem Sinne schliesse ich meinen Reisebericht. Im Blog findet ihr auch einen Text mit kleinen Beobachtungen aus dem Reisealltag.

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