• jb

Ein Quadrat mal 225

Ein Quadrat im Quadrat und darin eine Blume. Falsch. Korrekt soll es heissen: Eine Blume im Quadrat im Quadrat, denn bekanntlich wird von der Mitte aus gehäkelt. Ist ein Quadrat fertig, kommt das nächste und so weiter, bis ich die besagten 225 Stück fertig habe. Die Farben bestimme ich im Voraus, wodurch die ganze Arbeit etwas mobiler wird und ich muss mir nicht immer den Kopf über die [un]möglichen Kombinationen zerbrechen. Sind ungefähr zwanzig Quadrate fertig, werden sie sorgfältig von Hand gewaschen, getrocknet und mit Stecknadeln auf einem Bügelbrett gespannt. Und zwar so, dass sie nach dem Trocknen alle gleich gross sind. Dies ist wichtig, denn später werde ich sie zusammennähen und da muss die Kantenlänge aller Quadrate stimmen. Es ist nicht ganz so einfach aber mit etwas Übung klappt es eigentlich gut.



Bekanntlich geht das Zusammennähen viel schneller als das Häkeln und so habe ich nach zwei Stunden die Arbeit einer ganzen Woche vernäht und kann wieder von vorne beginnen. Bisweilen tun die Augen weh (gehäkelt habe ich mit 1.5 mm Häkelnadel, damit die Arbeit zart und schön zur Geltung kommt), dann wieder das Handgelenk. Es sind womöglich Zehntausende von Maschen, die ich gehäkelt habe! Darüber hinaus musste ich vorwiegend draussen arbeiten, denn nur im Sonnenlicht habe ich die feinen Maschen voneinander halten können. Nach etwa 2.5 Monaten war ich endlich so weit: aus der letzen Kraft habe ich die allerletzten Quadrate in den Ecken eingenäht. Die Farbauswahl war gegen Ende auch sehr beschränkt, da ich während dieser Zeit (des Lockdowns) kein weiteres Material bestellen konnte. Dies war vielleicht sogar mein Glück, denn ansonsten hätte ich mir nur den Kopf zerbrochen, so schön sind die zarten pflanzlichen Pigmente, mit denen die Wolle gefärbt ist.

Die ganze Schönheit der Decke kommt aber erst mit dem richtigen Rand zur Geltung; und so habe ich noch einen recht aufwendigen und voluminösen Rand gemacht. Dieser verleiht dem Ganzen etwas Gewicht und bringt die Fläche im Inneren schön zum Leuchten! Die Decke ist quadratisch (120 x 120 cm), diagonal gefaltet fällt sie wunderbar über die Schulter und lässt sich vorne zusammenbinden.



Ausgebreitet kann man sie als eine Art Bild betrachten, die einzelnen Flächen spielen farblich mal miteinander, mal gegeneinander, in jedem Fall ist es ein Fest für die Augen. Der Blick wandert von einem Quadrat zum nächsten und wieder zurück und jedes Mal sehe ich etwas anderes - es ist, als ob sich die einzelnen Farben nicht entscheiden könnten, in welcher Nuance sie eigentlich erscheinen sollten. Hinzu kommt, dass je nach Sonneneinfall die pflanzlichen Pigmente unterschiedlich stark das Licht reflektieren, sprich je nach Tageslicht hat die Decke eine andere Farbe.

Sollte jemand meiner Decke ein neues Zuhause geben wollen, würde ich mich nur schweren Herzens von ihr trennen. Es ist sogar möglich, dass ich hie und da zu Besuch käme um sich nach ihr zu erkundigen, schliesslich stecken da viele Gefühle darin.

[Preis auf Anfrage]



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Arbeit an der Masche

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